„Kopf, Herz und Hand“ nach Pestalozzi

Pestalozzi formulierte eine ganzheitliche Herangehensweise an Bildung, die sich auch in der Waldpädagogik wiederfindet. Die Lernenden werden als ganze Person involviert, was bedeutet, dass nicht Wissensvermittlung im Mittelpunkt steht, sondern eine Bildung von “Kopf, Herz und Hand”. Dabei besteht ein unauflösbarer Zusammenhang ohne jegliche Prioritätensetzung. Die drei Komponenten werden als völlig gleichwertig gesehen.

“Die Natur entwickelt unsere Fähigkeiten und unsere Kräfte, die Menschen lehren uns den Gebrauch dieser Fähigkeiten und Kräfte. Die Dinge aber erziehen uns durch die Erfahrung, die wir mit ihnen machen”

Rousseau

Hintergrund

Ausgangspunkt für Pestalozzis Pädagogik, war die Orientierung an Rousseaus Idee des ursprünglich guten im Menschen. Der Mensch sollte durch eine förderliche Umwelt die Möglichkeit haben, sich frei zu entwickeln und zu entfalten. Rousseau beschreibt in “Emile” (1762), seinem Hauptwerk, den Kernpunkt seiner Erziehung. Der Zögling sei “in der Tugend und in der Wahrheit” frei, und so solle eine Erziehung auf den Heranwachsenden ausgerichtet sein. Gemeint ist damit eine naturgemäße Entwicklung, in der der Zögling lernt durch eigene Erfahrungen, eigene Urteile zu bilden. Er war der Ansicht “die Natur entwickelt unsere Fähigkeiten und unsere Kräfte, die Menschen lehren uns den Gebrauch dieser Fähigkeiten und Kräfte. Die Dinge aber erziehen uns durch die Erfahrung, die wir mit ihnen machen” (Rousseau).

Die Methode nach “Kopf, Herz und Hand” von Pestalozzi wurde von ihm selbst “als Mittel zur Lösung gesellschaftlicher Probleme” empfohlen und von Reformern immer wieder aus seiner Gesamtpädagogik herausgelöst.

„Kopf, Herz und Hand“

Denken, Handeln und Fühlen sind untrennbar miteinander verbunden und bilden die Grundlage eines erfolgreichen Lernprozesses. Sie stehen zueinander in Beziehungen und erzeugen ständige Wechselwirkungen.

Mit „Kopf“ sind der Verstand und die Vernunft gemeint. Hier passiert das, was die Basis für weiteres Lernen bildet, das Lernen durch Einsicht. Dies funktioniert nur, wenn ein persönliches Interesse am Thema besteht.

Unter „Herz“ versteht Pestalozzi alles, was mit Gefühlen oder Emotionen zusammenhängt, auch die persönliche Betroffenheit in Bezug auf ein Thema. Auf der Herzensebene findet affektives, emotionales Lernen statt und ist so bedeutsam, weil erst das den Menschen öffnet und zum Lernen motiviert. Diese Zusammenhänge sind wichtig, da unser Gehirn neue Inhalte nicht lexikalisch nach Sinnzusammenhang, sondern nach emotionalen Erlebnissen  und emotionaler Bedeutung speichert und wieder abruft. Eine positive Gestaltung der Rahmenbedingungen ist wichtig, weil speziell neue, konstruktive und flexible Verhaltensformen nur durch positive Emotionen und Belohnung erlernt werden können, weswegen vor allem das Erlernen von bleibenden Verhaltensänderungen immer direkt von der affektiven Tönung abhängig ist. Dies liegt daran, dass das Gehirn positive Lernerfahrungen über andere Nervenbahnen verschaltet und in anderen Gehirnregionen verarbeitet als negative.

Die „Hand“ meint die praktische, motorische, kinästhetische Dimension des Lernens, also alles Körperliche. Lernen findet immer auch mit dem Körper statt, da alle dauerhaften Lernprozesse in Bewegung ablaufen und so eine Bedeutung für uns bekommen.

Quellen
Bolay/Reichle (2018): Handbuch der waldbezogenen Umweltbildung.
Raithel/Dollinger/Hörmann (2007): Einführung Pädagogik.