Österreichischer Walddialog

“Um die vielfältigen Interessen an der Nutzung des Waldes auch in Zukunft miteinander zu vereinbaren, sind alle (…) aufgefordert, gemeinsam den sorgsamen Umgang mit dem Wald weiterzuentwickeln”

wald-in-österreich.at

Um dieses Interesse weiterhin zu vereinbaren und den Umgang mit dem Wald weiterzuentwickeln, wurde der Österreichische Walddialog (ÖWAD), als gesellschaftlicher Dialogprozess vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft initiiert.

Der im Jahr 2003 ins Leben gerufene Dialog, versteht sich als offener, kontinuierlich verlaufender und partizipativer Politik-Entwicklungsprozess, bei dem sich von WaldeigentümerInnen und -nutzungsberechtigten bis hin zu Körperschaften alle aktiv einbringen können. Der Zweck ist die Vereinbarung der vielfältigen Interessen rund um den Wald in Österreich und dessen NutzerInnen. Das Ziel ist es, Strategien und Leitlinien zu waldpolitischen Handlungsfeldern, gemeinsam mit hoheitlichen Einrichtungen und öffentlichen und privaten Interessensvertretungen, konsensual zu formulieren.

Strukturaufbau

Um ein möglichst breites Spektrum zu treffen, sind über 90 VertreterInnen aus den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Forst- und Landwirtschaft, Holz- und Papier- und Energieindustrie, Jagd, aber auch aus Wissenschaft und Bildung, Jugend und Sport, Verwaltung uvm. beteiligt. Damit der Prozess in der Praxis auch gut umgesetzt werden kann, setzt er sich aus mehreren Bestandteilen auf unterschiedlichen Ebenen zusammen.

Quelle: BMNT 2018

Runder Tisch

Der Runde Tisch ist das zentrale Entscheidungsgremium, gibt thematische Schwerpunkte für den Dialogprozess vor und entscheidet über die prozessuale Vorgehensweise. Durch ihn soll der Ausgleich von politischen und waldbezogenen Interessen und Positionen erreicht werden. Die Leitung liegt bei der BundesministerIn für Nachhaltigkeit und Tourismus. Teilnehmen darf je eine Person, aller interessierten Organisationen mit einer bundesweiten Relevanz. Es wird darauf geachtet, dass immer dieselben VertreterInnen teilnehmen.

Arbeitstruppen/Module

Damit Effizienz und Effektivität gewährleistet sind, gibt es insgesamt vier themenspezifische Arbeitsgruppen, deren Aufgabe es ist, die operativen Aufgaben der Steuerungsgruppe und des Runden Tisches umzusetzen. Es gibt die vier Module:

  1. Wald.Wirtschaft.Internationales
  2. Wald.Klima.Ökologie
  3. Wald.Wasser.Naturgefahren
  4. Wald.Gesellschaft.Wissen

Geleitet werden die Gruppen von jeweils einer verantwortlichen Person, welche durch eine/n RapporteurIn unterstützt werden. Die Teilnahme an den Modulen steht allen beteiligten Organisationen offen.

Redaktionsgruppe

Die Ergebnisse der Module bzw. Arbeitsgruppen werden von der Redaktionsgruppe zusammengeführt und redaktionell abgestimmt. Hier wird vor allem auch auf die Umsetzung der formell inhaltlichen Vorgaben geachtet und die Vorgaben des Runden Tisches, der Steuerungsgruppe, der Module und der Waldforen berücksichtigt. Die Gruppe erarbeitet strukturelle und inhaltliche Konzepte für die Ergebnisaufbereitung und – kommunikation. Die Redaktionsgruppe wird – wie auch die Steuerungsgruppe – von der Person geleitet, die auch die Forstsektion des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus leitet. Die Gruppe setzt sich aus den Verantwortlichen und den jeweiligen BerichterstatterInnen der Module und dem Sekretariat zusammen.

Waldforum

Die jährlich stattfindenden Waldforen bieten Raum für einen inhaltlichen Interessensausgleich und haben die Aufgabe, Entscheidungen für den Runden Tisch vorzubereiten und dessen Vorgaben umzusetzen. Es gibt forstpolitische Diskussionen, einen Überblick über die aktuellen Geschehnisse, Beratung und gegebenenfalls konsensuale Entscheidungen über thematische und prozessbezogene Aspekte. Auch die Waldforen werden von der Person geleitet, die auch die Forstsektion des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus leitet – alternativ können auch Modulverantwortliche den Vorsitz übernehmen. Die Waldforen sind für alle offen, es steht auch der breiten Bevölkerung frei, diese zu besuchen.

AG Monitoring und Indikatoren

Die Arbeitsgruppe für Monitoring begleitet und evaluiert den Dialog und unterstützt hinsichtlich methodischer, struktureller und prozessualer Aspekte. Gegebenenfalls werden Verbesserungsvorschläge gegeben und es wird darauf geachtet, dass Evaluierungsergebnisse bestmöglich berücksichtigt werden. Die Arbeitsgruppe für Indikatoren, erarbeitet, erhebt und aktualisiert die ÖWAD-Indikatoren, die zur Ergebnismessung dienen. Beide Arbeitsgruppen werden von damit betrauten MitarbeiterInnen geleitet. Die Gruppen setzen sich flexibel zusammen und bestehen aus interessierten TeilnehmerInnen aus dem Walddialog und relevanten ExpertInnen.

Steuerungsgruppe und Sekretariat

Um diese Gremien und Arbeitsgruppen gut miteinander zu verbinden, wurde eine Schnittstelle zwischen den verschiedenen Instrumenten – Runder Tisch, Waldforum und den Modulen – eingerichtet. Die Steuerungsgruppe, setzt sich aus den Modulverantwortlichen und dem Sekretariat zusammen und ist für die strategische Prozessplanung und -steuerung zuständig. Das Sekretariat ist zusätzlich für die Gesamtkoordination und die Planung und Umsetzung des Walddialogs und seiner Ergebnisse verantwortlich.

Der Walddialog befindet sich zur Zeit in seinem zweiten Zyklus. Der erste Zyklus dauerte von 2003, dem Entstehungsjahr, bis zum Jahr 2011/12. In diesem ersten Zyklus wurde mit dem ersten Österreichischen Waldprogramm gearbeitet. Die Evaluation ergab, dass die Umsetzungs- und Monitoringinstrumentarien, also das Arbeitsprogramm und die Indikatoren gut funktionieren. Der Runde Tisch beschloss, einen zweiten Zyklus, der bis ins Jahr 2020 geht, zu starten. Nach strukturellen und prozessualen Anpassungen entstand die erste Österreichische Waldstrategie 2020+ als Folgeprogramm des Waldprogramms.

Quellen:
– BMNT (2018): Österreichische Waldstrategie 2020+
– BMLFUW (2015): Österreichischer Waldbericht 2015
http://www.wald-in-oesterreich.at